Kategorie: Kochbücher

Sie finden hier ausgesuchte Kochbücher. Sie werden von mir besprochen, weil ich glaube, dass Sie für Sie in irgendeiner Weise nützlich sind.

Cocina mexicana

Titelseite: Cocina Mexicana

Bei den im Gerstenberg Verlag herausgegebenen Büchern findet man immer wieder schnuckelige Highlights, die vom Gewohnten abweichen. Auch das vorliegende (nicht mehr ganz neue) Kochbuch von Daniella Germain „Cocina mexicana“ ist solch ein Exemplar.

Bis auf ein paar alte Familienbilder werden Sie in dem Buch keine Fotos finden. Kein Gericht wurde fotografiert, keine Zutat, nichts. Dafür hat die Autorin, von Haus aus Illustratorin, das Buch mit wunderschönen bunten Zeichnungen bebildert. Ein bißchen fühle ich mich erinnert an mein Poesiealbum, auch da wurde ja zu jedem Spruch ein Bildchen gemalt. Natürlich kann Frau Germain das besser und außerdem verfügt sie über einen spitzbübischen Humor. So empfiehlt das Huhn auf der Seite mit Hähnchen- und Bohnen-Enchiladas „wärmstens die Bohnen-Enchiladas“.

Alle Rezepte sind bestens illustiert, bis hin zur bildlichen Erklärung, wie die Enchiladas, Tortillas oder Empanadas zu falten und zu legen sind. Neben den Salsas, die naturgemäß VIEL Gemüse in Form von Tomaten, Chilis, Zwiebeln und Knoblauch enthalten, gibt es unzählige fleischlastige Rezepte und ich warne: sie sind ausgesprochen gehaltvoll. Ich habe Pollo en salsa de almendras (Hähnchen in Mandelsauce) ausprobiert. Sehr lecker – ich habe ein bißchen mehr Pfeffer benutzt als angegeben – aber mit zwei Hühnerbeinen hatte ich vier Mahlzeiten. Also sehen Sie sich vor beim Kochen; auch wenn Gäste erwartet werden, muss man nicht mehr machen. Leider vertrage ich keine Hülsenfrüchte, so waren mir die Rezepte mit Bohnen verschlossen. Aber sie lesen sich sehr lecker. Wer sie also ausprobiert, macht sicher keinen Fehler. Und man sollte im Winter einmal den Weihnachtspunsch probieren, der liest sich auch sehr appetitlich. (Gerstenberg, ISBN 978-3-8369-2786-4, EUR 24,95)

Gemüse all’italiana

Titelseite: Gemüse all'italiana
Titelseite: Gemüse all'italiana

Titelseite: Gemüse all’italiana

Es gibt Buchcover, die „springen“ einen an, und hier haben wir mal wieder so eines: Gemüse all’italiana aus dem AT Verlag. Das Titelfoto zeigt einen mit Tomaten, Paprika und Zucchiniblüten gefüllten Gemüsekorb, der von einem antiken Wasserhahn benetzt wird. Man möchte sofort an diesem Ort sein und das Gemüse in der Küche verarbeiten.

Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, die gute, einfache und leckere Gemüserezepte bieten. Natürlich gibt es die vegetarischen und veganen Kochbücher, aber oft arbeiten sie mit exotischen Zutaten und irgendwelchen „als ob“-Produkten. Meine Vorstellung sind jedoch bodenständige Rezepte mit Lebensmitteln, die man bei uns in der Regel zur Hand hat. So ein Kochbuch liefert uns hier Cornelia Schinharl, die eine ausgewiesene Kochbuchautorin und Italienkennerin ist und auf ihren Reisen aus allen Regionen Rezepte gesammelt hat.

Ausprobiert habe ich die Löwenzahn-Kartoffel-Suppe. Während der Kochzeit habe ich sie immer wieder probiert und gedacht „die kann ich nicht essen, die ist viel zu bitter“ und dann stellte sich heraus, dass die Semmelbrösel mit Parmesan die perfekte Ergänzung waren, die dem Bitteren die Wucht nahmen. Ausserdem ausprobiert: die Fenchelcremesuppe, eine sahnige Offenbarung, die einen ganz eigenen Geschmack erkennen läßt. Ich werde auf jeden Fall weitere Rezepte probieren und bin überzeugt, dass viele davon in meinen Koch-Kanon eingehen werden.

Das Buch lebt von den wunderbaren Fotos, den präzisen Rezepten, aber auch von den kleinen Geschichten rund um die Produktion des Buches im Agriturismo La Malvarina, die verarbeiteten Gemüse und die italienischen Essgewohnheiten. Das Urlaubsfeeling stellt sich dann beim Kochen ein. Gleichermassen unverzichtbar für Italienfans, GemüseverehrerInnen und solche, die das eine oder andere werden wollen. (AT Verlag, ISBN 978-3-03800-906-1, EUR 34,95)

Meine Expressküche

Meine Expressküche

Wenn die Saison im Saatgutgeschäft losgeht, bleibt mir wenig Zeit zum Kochen. Also beginne ich bereits im Herbst mit Vorkochen und Einfrieren. Aber manchmal gelüstet es mich doch nach frisch Zubereitetem. Da kommt mir eine – nicht mehr neue – Ausgabe von Annemarie Wildeisens Meine Expressküche gerade recht. Sie verspricht frisch Zubereitetes in 15, 25 oder 35 Minuten. Geht das? Und schmeckt das?
Zuerst der Versuch mit den 15 Minuten: Penne mit zweierlei Pfeffer – geht wirklich ruck, zuck. Die meiste Zeit von den 15 Minuten brauchen die Penne, bis das Wasser kocht und sie gar sind (8-10 Minuten, je nach Gusto), die restliche Zeit wird benötigt für Hacken von Zutaten, anbraten und anrichten. Falls Sie noch Penne vom Vortag haben, geht das Ganze wirklich in kürzester Zeit und ist trotzdem unübertrefflich im Geschmack. Zweiter Versuch mit dem Karottentatar, das 35 Minuten in Anspruch nehmen soll. Ebenfalls in der angegebenen Zeit zu schaffen und ebenfalls sehr schmackhaft, wobei ich die Karotten kurz angedünstet habe.
Alle Rezepte sind anschaulich bebildert und gut erklärt. Sie sind für vier Personen berechnet und unter jedem Rezept steht, wie es für zwei oder eine Person abgewandelt werden kann. Manchmal steht da auch „Der Aufwand lohnt sich nicht, zu viele Reste!“, dann müssen Sie überlegen, was Sie tun. Etwas können die Schweizer noch lernen, nämlich die Übersetzung von genuin schweizerischen Begriffen, wie die Österreicher sich das angewöhnt haben. Zwar gibt Google die Übersetzung jederzeit her, aber ein Glossar wäre netter. Übrigens gibt es nicht nur Hautgerichte, sondern auch Vor- und Nachspeisen, u. a. eine traumhaft leckere Erdbeercreme. Meine Expressküche wandert in meine Küche! (AT Verlag, ISBN 978-3-03800-816-3, 15,90)

Vergessene Klassiker

Titelseite: Vergessene Klassiker
Titelseite: Vergessene Klassiker

Titelseite: Vergessene Klassiker

Selten hatte ich so ein Problem, ein Buch zu besprechen, denn das Rezept, das ich ausprobiert habe, hat mir nicht geschmeckt. Und dann weiß ich nicht so recht, wie ich anfangen soll. Trotzdem das Buch – Vergessene Klassiker – alles hat, um Küchenfans zu begeistern: Schöne Bilder, umfangreiche Beschreibungen, eine Menge Rezepte für die vielen vergessenen Gemüse.

Die Autorin, Kathleen Paccalet, die seit langem ihre Leidenschaft für alte Gemüsesorten pflegt, hat mit Pariser Spitzenköchen zu jeder Sorte diverse Rezepte erarbeitet. Yves Paccalet, Naturforscher und Philosoph hat die Warenkunde zu den Sorten verfasst und dabei die Historie nicht vergessen. Und Marc Dantan, seines Zeichens Foodfotograf, hat die Gemüse-Portraits in Szene gesetzt.

Und man muss von Portraits sprechen, denn ich habe nicht oft Gemüse-Fotos gesehen, die mit soviel Liebe zum Produkt angefertigt wurden, traumhaft und mit dem leichten Augenzwinkern, dass einen sofort zum Lächeln bringt.

Eigentlich möchte man die so Portraitierten nicht in die Pfanne hauen, aber was soll’s, ich habe es trotzdem gewagt. Pastinaken-Püree mit Knoblauch und Sahne. Vielleicht war meine Pastinake zu süß, aber ich fand den Geschmack nicht harmonisch. Dann also Pastinakensamtsuppe. Das war schon etwas anderes, auch wenn ich mangels Knollenkerbel auf die entsprechenden Chips verzichten musste.

Das Rezeptangebot ist so bunt, dass sich sicher für jeden etwas finden lässt, vor allem, wenn er die Gemüse im eigenen Garten kultiviert: Rindfleischragout mit bunten Karotten, Auberginenrouladen mit Mozzarella, Steckrüben mit Rosmarinhonig und Ingwer, Knollenziest auf provencalische Art: Sie können es sich aussuchen. (Gerstenberg, ISBN 978-3-8369-2791-8, EUR 19,95)