Schlagwort: Gartenbuch

Schön wild!

Schoen wild!

Das Buch Schön wild! ist noch nicht besprochen, aber ich habe schon einen Teil meines Gartens danach umgestaltet. Allein deshalb, weil mir die Zeichnung auf dem Titel so gut gefallen hat. Und, weil mir eine Freundin zwei Eibischpflanzen geschenkt hat. Und, weil ich noch eine alte massive Vorratsholzkiste gefunden habe, mit der ich nichts rechtes anzufangen wußte. Und, nachdem ich das Buch von vorne bis hinten durchgearbeitet habe.

Um es vorweg zu nehmen, ich kenne beide AutorInnen und weiß um die Qualität ihrer Arbeit. Hier haben sie erneut einen Beweis für ihre wirklich intensive Kenntnis der heimischen Fauna und Flora erbracht. Hätten Sie den Wildstauden-Garten von Friedhelm Strickler, der eine Wildstauden-Gärtnerei betreibt, schon mal gesehen, würden Sie mir recht geben. Brigitte Kleinod hat ebenfalls mehr als fünfundzwanzig Jahre Erfahrung in der Gestaltung naturnaher Gärten und ist fast ebenso lange als Autorin tätig.

Im vorliegenden Buch „Schön wild!“ haben die beiden zweiundzwanzig Vorschläge für eine Gartengestaltung mit heimischen Wildblumen und -stauden für jeden Gartenstandort zusammengestellt. Ich habe mir sie alle angeschaut und finde sie sehr gelungen.

Warum sollte man überhaupt den Garten mit Wildblumen rsp. Wildstauden bepflanzen? Ein so gestaltetes Areal bietet einer Vielzahl von Wildtieren und Insekten Heimat, Geborgenheit und Nahrung. Und hält, wenn man es richtig macht, die kleinen mehrbeinigen Nichtsnutze vom Gemüse fern, weil sich so viele Helfer im Garten einfinden, die den Gärtner unterstützen. U. a. ist in dem Buch auch beschrieben, dass die meisten ach so schönen Insektenhotels für viele Insekten gar keinen Nutzen haben, weil z. B. die Ausrichtung der Röhren falsch ist. Sie sind in der Regel waagerecht ausgerichtet, viele Tieren brauchen sie aber senkrecht.

Die AutorInnen beschreiben die Planung, Vorbereitung und Umsetzung einer Wildstaudenecke bis ins Detail. Jede/r kann anhand dieser Erklärungen so ein Beet zusammenstellen. Es gibt einfache übersichtliche Hilfen, wie z. B. Einkaufslisten mit Mengenangaben, Blühzeit, Blühfarben und Wuchshöhen. Es gibt Zeichnungen, die eine Vorstellung davon erzeugen, in welcher Reihenfolge und Intensität die Pflanzen und Blumenzwiebeln eingesetzt werden sollen.

Und es gibt die wunderschönen Zeichnungen von Heidi Janicek. Bei einigen hatte jemand die geniale Idee, sie über die Vorder- und Rückseite eines Blattes laufen zu lassen, so das man wahnsinnig neugierig wird auf die nächste Seite und damit die weitere Gestaltungsumsetzung.

Ich bin ziemlich sicher, das jede/r, der Anregungen für die naturnahe Umgestaltung seines Gartens sucht, hier fündig wird. Und Weihnachten ist ja auch nicht mehr weit. (Pala Verlag, ISBN 978-3-89566-367-3, EUR 19,90)

Gärtnern nach dem Terra-Preta-Prinzip

GaertnernachTerraPreta

Ja, ich suche mir die Bücher,

die ich besprechen möchte selbst aus. Und ja, auch dieses Buch habe ich mir ausgesucht. Allerdings komme ich damit an den Punkt, wo ich sagen muß: Nichts Neues am GärtnerInnen-Horizont.

Aber von vorne. Zunächst war ich überrascht, dass ein Buch aus dem Pala Verlag auf dem Titel nicht mit Zeichnungen sondern mit Fotos versehen ist. Ungewöhnlich, aber es gab das auch schon mal, als das Buch von Masanobu Fukuoka „Der Große Weg hat kein Tor“ erschienen ist.

Inhaltlich bietet es bereits Bekanntes: Sogenannte Schwarzerden gibt es überall auf der Welt, bei uns in Deutschland sogar an diversen Standorten, die auch für ihre besonderen Erträge bekannt sind: die Hildesheimer und Magdeburger Börde, das Vorgebirge bei Bonn, Rheinhessen, die Wetterau, der Rheingau, rund um den Kaiserstuhl und in der Nähe von Würzburg in der Gegend um Ochsenfurt (also bei mir vor der Haustüre), um nur einige zu nennen.

Die Besonderheit bei Terra-Preta ist die Verwendung von Holzkohle, die in den Gebieten des Amazonas bereits über Jahrhunderte gepflegt wurde. Proben aus diesem Gebiet zeigen, dass die Erden zwischen 2.000 und 8.000 Jahre als sind. Sie sind durch menschlichen Einfluß entstanden, was durch das Vorkommen von Tonscherben in diesen Böden erhärtet wird. Die Autorin, von Haus aus Historikerin, will in ihrem Buch zeigen, dass das Prinzip dieser Schwarzerden und damit deren Fruchtbarkeit auch mit den bei uns vor Ort verfügbaren Mitteln umgesetzt werden kann, sie bezieht Bokashi, Mischkulturen, Mulchen, Fermentation und EM in ihre Betrachtung mit ein, erklärt die Herstellung und die angepasste Verwendung in unterschiedlichen Böden.

Der Text ist in recht großer Schrift großzügig gesetzt und durch Fotos und Zeichnungen ergänzt. Der Serviceteil bietet Tipps zum weiterlesen, hilfreiche Adressen und Bezugsquellen für Saatgut und EM. Wer sich im Laufe seiner GärtnerInnen-Tätigkeit bereits mit dem Humusaufbau in kritischen Böden befaßt hat, wird hier nichts entscheidend Neues erfahren. Andrea Preißler – Abou El Fadil, begeisterte Freizeit-Gärtnerin, hat hier ein Buch mit Basics zusammengestellt, das AnfängerInnen eine gute Basis für den Umgang mit dem Boden und seiner Fruchtbarkeit bietet. (Pala Verlag, ISBN 978-3-89566-376-5, EUR 19,90)

Mein Naturgarten wie er mir gefällt

MeinNaturGartenwieermirgefaellt

Gartenplanung – was für ein langweiliges Wort, wenn ich doch nur einen Ort in der Natur haben will, um mich zu entspannen und mal Fünfe gerade sein zu lassen. Das denken sich viele, die sich auf das Abenteuer Garten einlassen, um dann festzustellen, dass sie entweder in der Arbeit ertrinken oder der Garten ein einziger unübersichtlicher Pflanzenwust wird.
Hier setzt das Buch von Dr. Natalie Fassmann an: Mein Naturgarten wie er mir gefällt. Für die, die schon wissen, was sie wollen und nur nach weiteren Anregungen suchen, findet sich gleich zu Beginn ein Stichwortverzeichnis, so dass die Orientierung keine Mühe macht. Ebensowenig Mühe macht sie für jene, die zunächst an ihren Garten nur Wünsche haben: still oder lebendig, naturnah oder bunt, für alle oder nur für sie alleine. Je nach Antwort springen sie gleich zum Kapitel, in dem ihre Ideen vertieft werden. Und dann kann man noch einfach im Buch stöbern.
Die einzelnen Themen sind so kurzweilig abgehandelt und mit Fotos und Illustrationen unterlegt, das keine Fragen offen bleiben. Unmengen Tipps und Tricks ergänzen das jeweilige Thema.
Auch ich konnte noch einiges lernen, z. B. vom „Blackbox-Gardening“, was nichts mit schwarzen Kästen zu tun hat, über Lasagnebeete, die nichts mit italienischem Essen zu tun haben bis hin zu „Meisenknödel de luxe“, die entgegen ihrer Bezeichnung für Meisen kein Luxus sind. Im Serviceteil finden sie außerdem den phänologischen Kalender und mehrere Listen empfehlenswerter Pflanzen für ausgewählte Standorte.
Die spezielle Anmutung, die der Ulmer Verlag seinen Gartenbüchern jetzt angedeihen läßt, sorgt dafür, dass man das Buch gerne in die Hand nimmt. Aber schauen Sie selbst. Das Buch ist auch für erfahrene GärtnerInnen eine Bereicherung. (Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8186-0272-7, EUR 24,90)

Das Kraterbeet

Buchtitel: Das Kraterbeet

Als ich dieses Buch fertig gelesen hatte, ging mir folgender Gedanke durch den Kopf: Da ist doch die Gartenbau-Ingenieurin mit ihr durchgegangen (übrigens durchaus positiv gemeint)! Kraterbeete, Senkgärten, Sonnenfallen; im vorliegenden Buch hat Natalie Faßmann sich ausführlich mit „gebauten“ Beeten beschäftigt, die Vorteile dargelegt, die Nachteile nicht verschwiegen. Sehr gut gefällt mir der Abschnitt über das Mikroklima.

Natürlich weiß man, wenn man seinen Garten einige Jahre bewirtschaftet hat, das bestimmte Pflanzen an einem Ort besser wachsen als an einem anderen. Aber in diesem Buch finden Sie die Erklärungen dafür, sehr gut verdeutlicht mit diversen Zeichnungen, für die in diesem Falle Margret Schneevoigt verantwortlich zeichnet. Auch die Bestimmung der Bodenart, ohne das man aufwendige Laboruntersuchungen vornehmen muß, ist einleuchtend erklärt. Wie noch Vieles mehr: wie baut man ein Kraterbeet, wie wird es bepflanzt, wie wird es gepflegt, woran erkennt man die Bedürfnisse der Pflanzen, die man gesetzt bzw. gesät hat. Und warum sollte man überhaupt große Löcher in den Boden graben, statt ein „normales“ Beet zu bearbeiten?

Auch nützliche Pflanzenportraits finden sich in diesem informativen Buch aus dem Pala Verlag, ebenso wie jede Menge Tabellen: zur Mischkultur, zu Stark-, Mittel- und Schwachzehrern, zu Schädlingen, zu empfehlenswerten Pflanzen für bestimmte Gartensituationen, zu Mulchmaterialien, und und und. Zum Schluß wird noch Karl Foersters Senkgarten in Potsdam vorgestellt, der sozusagen ein erweitertes Kraterbeet ist. Natürlich fehlen nicht die Literaturhinweise und die Bezugsquellen. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, in Ihrem Garten mal etwas Neues auszuprobieren, sollten Sie das Buch „Das Kraterbeet“ unbedingt ins Auge fassen. (Pala Verlag, ISBN 978-3-89566-355-0, EUR 14,00)

Schwester Christas Mischkultur

Titelseite: Schwester Christas Mischkultur

Schwester Christas Mischkultur zum Xten! Aber diesmal aus der Sicht und mit Hilfe von Jutta Langheineken, Ihres Zeichens Agraringenieurin, Buchautorin und Gartenjournalistin. Um es vorweg zu sagen, inhaltlich hat sich nicht so viel geändert zu den vorherigen kleinen Mischkultur-Büchlein. Aber die Umsetzung, die Beschreibungen und Erklärungen sind äußerst gelungen, da merkt man die Hand der Journalistin.

Ausserdem verfolgt der Ulmer Verlag ein neues Konzept mit seinen Gartenbüchern: Weniger Text, viele erklärende Bilder und Zeichnungen und ein neues Outfit machen Lust, die Bücher zur Hand zu nehmen. Natürlich gibt es die bewährten Übersichten mit Mischkulturvorschlägen, die Tabellen mit den günstigen und ungünstigen Nachbarn, die erhellenden Zeichnungen, dazu Bilder, die über das Übliche hinausgehen und immer auch ein wunderbares Ambiente transportieren.

Daneben aber gibt es viele Sidesteps, die Begriffe erklären, Tipps geben, Themen aufgreifen, gerade so, als hätten die beiden Autorinnen beim Lesen neben einem gesessen und die aufkommenden Fragen voraus geahnt. Schön finde ich, unter Anderem, die Übersicht zur Einschätzung von Erntemengen für ein 10 qm Beet, die für einzelne Sorten beispielhaft ausgewiesen werden. Und spannend sind auch die Besuche in einigen Gärten, deren Besitzerinnen sich mit speziellen Sichtweisen auf den Nutzgarten auseinandersetzen, z. B. bei Margarete Langerhorst, deren selbst entwickelte Mischkultur ich Ihnen vor einer Weile vorgestellt habe. Auch das Francksche Kultursystem wird nochmal vorgestellt, so dass jeder für sich herausfinden kann, was in seinem Garten sinnvoll ist.

Toll finde ich auch, dass das Thema „Mischkultur und Obst“ näher beleuchtet wird, denn auch ich habe eine Obstwiese und die Idee, dass da doch ausser Bäumen noch mehr wachsen könnte. Ich mag dieses Buch und Sie werden es auch mögen. (Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8001-1274-6, EUR 24,90)