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Herbarium Orbis

Herbarium Orbis

Bernard Bertrand ist ein Urgestein der ökologischen Landwirtschaft in Frankreich. Schon seit vielen Jahren schreibt er Bücher zur Ethnobotanik, also der Wissenschaft von der Verbindung von Pflanzen und Menschen.

Das Buch, das ich hier vorstelle, Herbarium Orbis, ist schon im letzten Jahr erschienen. Weil ich es aber wunderschön und überaus lehrreich finde, mag ich es Ihnen dennoch als mögliches Geschenk vorstellen. Das Buch umfasst 432 Seiten, es ist mit einem schönen Leineneinband versehen und ein echtes Schwergewicht. Nicht nur inhaltlich, sondern auch real: Es wiegt mehr als fünf Pfund.

Wenden wir uns nun aber dem Inhalt zu, der immer wieder nette Überraschungen birgt. Der Autor stellt in seinem Buch den ungeheuren Pflanzenreichtum vor, der uns Menschen am Leben erhält, sei es als Nutzpflanze, als Heilpflanze oder als Wirtschaftspflanze. Er selbst beschreibt den Sinn des Buches so: „Es ist ein Gedächtnis, ein „Herbarium eines Lebens“, denn die darin beschriebenen Pflanzen begleiten uns von der Empfängnis bis zu unserem physischen Tod. Es ist ein bescheidenes Herbarium, eine Quelle des Staunens, eine Hommage an die Natur als wertvollste Verbündete des Menschen!“.

Und hier gleich drei Beispiele für das in Kapitel unterteilte Wissen, das er hier zusammengetragen hat. Beginnen wir mit der Ackerbohne (auch Dicke Bohne, Saubohne oder Puffbohne). Palladius, der sich in der Antike mit der römischen Landwirtschaft auseinander setzte, empfahl die Ackerbohne als erlesene Nahrung…..für Pfauen: Leicht gegrillt sollten sie zur Liebe anregen, wenn man sie den Vögeln alle fünf Tage laufwarm vorsetzt. Falls Sie Pfauen haben, probieren Sie es einmal aus.

Weiter zur Echten Tollkirsche (auch Schwarze Tollkirsche, Teufelskirsche, Wolfsbeere). Sie ist hochgiftig und nur in den Händen von Heilkundigen von Nutzen. In der Renaissance allerdings träufelten sich italienische Frauen vor dem Besuch einer Festlichkeit einen Tropfen des Pflanzensafts in die Pupille, ein leichter Silberblick und die Erweiterung der Pupille waren die Folge. Offenbar fanden die Herren das ganz reizend. Seitdem führt die Pflanze auch den Namen „Belladonna“.

Und noch ein Blick auf eine ökonomische Pflanze, die heute keine Bedeutung mehr hat, der Färberkrapp (auch Echte Färberröte, Krapp; nebenbei bemerkt, meine liebste rote Aquarellfarbe, aber ich schweife ab). Die Römer nutzten seine Farbe als Ersatz für Purpur und in der Landgüterverordnung Karls des Großen wurde Krapp zum Anbau empfohlen. Seinerzeit befand sich ein großes Anbaugebiet in der Umgebung von Speyer. In Frankreich gab es beim Krappanbau ein ständiges wirtschaftliches Auf und Ab, der letzte Versuch, die Produktion am Laufen zu halten, war die Anordnung des Königs Louis-Philippe I., die französischen Soldaten mit krappgefärbten Uniformen auszustatten. Der Aufschwung hielt nicht lange an, denn kurze Zeit später fanden deutsche Chemiker das Molekül, dass der roten Farbe zugrunde liegt: Alizarin.

Ich glaube, Sie bemerken meine Begeisterung über Herbarium Orbis. Alle Pflanzenbeschreibungen sind mit zweihundert Bildern historischer Herbarbögen in Originalgröße aus dem Botanikinstitut in Montpellier ausgestattet und natürlich gibt es ein Verzeichnis mit den deutschen und botanischen Pflanzennamen. Für alle Gärtner in der Winterpause und solche, die es werden wollen zum Schmöckern. (ear books, ISBN: 978-3-943573-26-8, EUR 69,95)