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Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen

Titelseite: Saatgut - Wer die Saat hat, hat das Sagen

Nach der großen Protestaktion, die sich in 2013 gegen die Verabschiedung der geplanten EU-Saatgutverordnung formierte und diese mit Erfolg verhinderte, ist das Interesse am Thema Saatgut wieder abgeflaut. Offenbar ist vielen Leuten immer noch nicht bewußt, welche Bedeutung der Verlust der Saatgut-Vielfalt für die Ernährungssouveränität der Menschen hat.

Hier setzt das Buch von Anja Banzhaf, einer Saatgutaktivistin an, die sich der Mühe unterzogen hat, die unterschiedlichen Seiten des Themas zu beleuchten. „Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen“ ist eine umfassende Darstellung der Situation auf dem konzerngesteuerten Saatgutmarkt, des Saatguts als bäuerliches Erzeugnis, des althergebrachten Gemeinguts Saatgut und der Rückeroberung des Saatguts durch die Öffentlichkeit und Züchter, die ein weitergehendes Verständnis von Vielfalt haben. Dazu finden sich ca. 50 Interviews und sogenannte Streifzüge, in denen Protagonisten der Saatgutszene zur derzeitigen Situation äußern bzw. Projekte beschrieben werden. So z. B. die Bäckerbauern in Frankreich, die ihr eigenes Backgetreide anbauen, der Kampf von Carsten Ellenberg um die Kartoffel „Linda“, wie Reinhard Lühring auf der Suche nach den alten bäuerlichen Sorten durch ostfriesische Hausgärten streift oder die GeLa Ochsenherz in Österreich neue Tomaten züchtet und alte erhält.

Oft sind Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen ziemlich trocken, weil die Gesetzgebung so undurchsichtig ist und sich die Autoren oftmals darin verheddern. Anja Banzhaf aber hat es durch den Aufbau des Buches verstanden, das Thema lebendig zu gestalten und durch kurze, präzise Texte die Aufmerksamkeit zu fesseln. Die Erklärungen, insbesondere zur Hybridzüchtung, aber nicht nur, sind ausgesprochen erhellend. Etliche Fotos, Zeichnungen und Schaubilder runden die Themen ab, ebenso wie ein Personen-, Literatur und Bezugsquellenverzeichnis. SEHR wichtig für alle, denen das Thema Ernährungssouveränität und Selbstversorgung am Herzen liegt. (Oekom Verlag, 978-3-86581-781-5, EUR 19,95)